Freitag, 12. Februar 2010

Email an Außenminister Spindelegger zwecks Doppelstaatsbürgerschaft!

Sehr geehrter Herr Minister!

Wie ich heute aus der Tiroler Tageszeitung erfahren habe, wollen sie die Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler einer eingehenden Prüfung unterziehen. Dazu einige Anmerkungen:

Ich lebe und wohne seit 10 Jahren in Innsbruck. Mir ist bewusst, dass die Südtirol-Thematik für einige TirolerInnen und Tiroler eine hohe Bedeutung darstellt. Daneben gibt es aber einen großen "schweigenden" Teil der Bevölkerung, denen diese Fragestellungen zumindest egal wenn nicht sogar zuwider sind.

In einem vereinten Europa, in denen durch das Schengenabkommen die Grenzen "gefallen" sind, in der es Europa-Regionen und grenzüberschreitende Zusammenarbeit gibt, scheint es für mich absolut nicht nachvollziehbar, Thematiken wie "Schutzmacht" oder "Doppelstaatsbürgerschaften" anzugehen. Über diese Phase der Verständigung zwischen den Nationalstaaten sollten wir schon hinweg sein.

Darüber hinaus kann ich nicht sagen, ob in Tirol, Österreich, und schon gar nicht in Südtirol eine derartige Neuerung mehrheitsfähig wäre. Würde die gesamte österreichische Bevölkerung zu diesem Thema befragt werden? Es wird ja keine "Tiroler Staatsbürgerschaft" verliehen. Wer hätte Anspruch auf die Staatsbürgerschaft? Alle in Südtirol lebenden Person, oder nur die "nachweislich" deutschsprachige Minderheit?

Weiters kenne ich einige Südtirolerinnen und Südtiroler, die nie und nimmer das jetzt vorherrschende System aufheben wollten. Zum einen erlaubt die Autonomie Südtirols gegenüber Rom eine hervorragende Entwicklung in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Belangen (zb. in Steuerfragen). Zum anderen haben Südtirolerinnen und Südtiroler auch in Österreich Vorteile, sei es durch den Zugang zum Gesundheitswesen (wie etwa die Uniklinik in Innsbruck) oder zu den österreichischen Hochschulen, um nur zwei zu nennen.
Die Staatsbürgerschaft wäre meiner Ansicht nach auch mit Pflichten verbunden, wie etwa der Wehrpflicht. Wie wird damit umgegangen?

Conclusio: mir ist bewusst, dass die Forderungen von Seiten mancher (Süd)-TirolerInnen nicht vom Tisch zu wischen sind und es sich dabei um WählerInnenstimmen (meist auch zu Gunsten der ÖVP) handelt. Jedoch sollten nicht nur die, die am lautesten Schreien und von den Medien unterstützt werden, Gehör finden, sondern auch jene, die keine kommunikatve Plattform besitzen und teilweise anderer Meinung sind.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Huemer

Donnerstag, 21. Januar 2010

Politik und Moral!

Gestern war das Thema im Club 2 "Wie unmoralisch ist die Politik". Geladene Gäste waren Dieter Böhmdorfer, Andreas Khol, Franz Vranitzky, Kathrin Steiner-Hämmerle, Dieter Chmelar, Franz Fiedler und Anneliese Rohrer, moderiert wurde der Club von Peter Rabl.

Soweit so gut. Es hat sich jedoch wieder einmal gezeigt, dass eine gute Moderation unumgänglich ist, jene von Peter Rabl war nicht die Beste. Denn die Debatte spielte sich auf mehreren Ebenen ab: zum einem die rechtliche Basis (Korruption, Strafdelikte), zum anderen politische Kultur und Werte sowie Beziehung Politik und Bevölkerung. Die Folge aus diesem Ebenenspiel ist - wie sooft - eine never ending story, soll heißen: jedeR bleibt auf seiner Ebene, und versucht nach gewisser Zeit wieder ihre/seine Geschichte ins Spiel zu bringen, der Moderator verabsäumt es, diese Ebenen heraus zu arbeiten, kenntlich zu machen und zu verbinden. Geschieht dies nicht, schläft dem Zuseher (zumindest mir) das Gesicht ein. Meine Replik zu den Personen.

Dieter Böhmdorfer: Ich hab mir niemals gedacht, dass ich das mal sagen werde. Aber er hatte mit seinen Aussagen recht. Gut, er ist Jurist und hat juristisch agumentiert, dass Moral als solche nicht greifbar ist, nur Gesetze. Deswegen müssen Gesetze her, fertig. Eigentlich kann man mit so einer Aussage nicht viel falsch machen. Nur zum Glück sind wir nicht alle Juristen.

Andreas Khol: Erschreckend, zum wiederholten Male. Er meint, Moral kann nicht Kollektiv gesehen werden, er schraubt das auf das Individuum zurück, es gibt verschiedene Moralvorstellungen (er nennt explizit die Sexualmoral), und jeder muss nach seiner eigenen Maxime handeln. Folglich gibt es auch kein Verschulden der Politik, sondern nur des Einzelnen. Da kommt das ÖVP Dilemma heraus, das heißt: Der Politiker ist sich selbst am Nächsten, dann kommt die Partei/der eigene Bund, dann lange nix, und dann kommt noch was, was war das nochmal, aja, der Staat/das Volk/die Allgemeinheit. Oops, hab die Familie vergessen. Meiner Ansicht nach hat man als Politiker auch eine Verantwortung, den demokratischen Wertekanon zu pflegen und zu erhalten, und diesen als politische Kultur zu etablieren und eine allgemeingültige, politische Moralvorstellung zu entwerfen, damit nicht nur die eigenen moralischen Werte zählen (da diese ja bei manchen ein bisserl komisch ausgeprägt sind). Weiters meinte Kohl, dass es bei uns doch gar nicht so schlimm wäre, schaue man sich den Spesenskandal der britischen Abgeordneten an, die sogar einen Code of Conduct unterschreiben (müssen). Nivellierung nach unten ist eine Spitzenidee, für das gibt es zwei Daumen hoch.

Franz Vranitzky: Er berichtete von den großen Affären der 80er Jahre (Lucona, Noricum, Waldheim, Proksch). Damals wurden die Sachen aufgedeckt und folglich auch strafrechtlich verfolgt, heute brauche es wieder eine ähnliche Herangehensweise. Dass Österreich damals ein ausgesprochener Sumpf war, und wir heute wahrscheinlich noch immer drinnenstehen, obwohl Entwässerungskanäle gezogen worden sind, ist anscheinend nicht angekommen. Übrigens schreibt er Unmoral und Korruption eher dem Dritten Lager zu, dem ich nicht so zustimme, sondern die sind überall zu finden.

Kathrin Steiner-Hämmerle: Ihre Aussagen gefielen mir sehr gut. Sie hat gute Denkanstösse in die Diskussion eingebracht, hat die oben erwähnten Ebenen unterschieden, wollte Andreas Kohl mit seiner Individuenmoral Konter geben (in Form von einem demokratischen Wertekonsens), und brachte auch das nicht vorhandene Verantwortungsgefühl und die damit verbundene Rücktrittskultur ein (zusammen mit Peter Rabl). Rücktritt heißt in diesem Zusammenhang Verantwortung zu übernehmen, obwohl man als Politiker vielleicht nur indirekt etwas mit der Sache zu tun hatte, egal welchen Ausmaßes. Beispiele dafür waren BRD-Verteidigungminister Jung, oder wie mir einfällt, jene schwedische Ministerien, die 12 Jahre ihre schwedischen GIS-Gebühren nicht gezahlt hatte, und dann den Posten räumte. Übrigens ist letzteres nur möglich gewesen, da das schwedische System völlige Transparenz der Steuerleistungen der eigenen Staatsbürger vorsieht (nach meinem Wissensstand, lass mich gerne belehren). Dann hat sie noch Entscheidendes beigetragen: die Bevölkerung empört sich nicht mehr an etwaigen Korruptionsvorwürfen, sie dreht sich achselzuckend weg und meint "so is es halt.". Und es gibt, ganz politikwissenschaftlich, auch keine Abwahl (Sanktionierung) durch die Bevölkerung, bzw. keine Möglichkeit dazu. Steiner-Hämmerle hätte sich mehr in die Debatte einbringen sollen.

Dieter Chmelar: War ein bisschen fehl am Platz. Versuchte Böhmdorfer und Kohl anzupatzen mit Einzelbeispielen, die natürlich vollkommen negiert wurden. Und warf mit Zitaten um sich, was gar nicht gut ankam. Er war angriffig und versuchte die "elder statesmen" (genannt von Peter Rabl sic!) aus der Reserve zu locken, dafür gebührt ihm wohlwollendes Nicken.

Franz Fiedler: Als Präsident des Beirats von Transparency International Österreich steht er in Österreich oft auf verlorenem Posten, er fordert jedoch immer wieder - und das zu Recht - stärke Kontrollen der Parteien und deren Abgeordneten, sowie, und dies ist wichtig, mehr Verfolgungs- und Sanktionsmöglichkeiten. Die Kontrolle der Parteienfinanzierung spielt hier eine auserordentlich bedeutende Rolle, ähnlich wie es Hubert Sickinger immer wieder fordert und dies von den großen Parteien abgelehnt wird. Vor allem die Finanzierung aus halböffentlichen Quellen wie Verbände (Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung) oder bei der ÖVP den Bünden, muss endlich transparenter werden. Weiters meint er, dass Österreich nie eine Rücktrittskultur hatte, dem stimme ich auch zu. Weiter so.

Anneliese Rohrer: Bei ihr hat man doch oft das Gefühl, sie interessiert die Sache dann nicht wirklich so. Natürlich, nach dreißig oder vierzig Jahren Innenpolitik hat man alles schon 20 mal gesagt und 40 mal gehört, doch steter Tropfen höhlt den Stein. Hoffe ich. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, was sie gesagt hat. Doch: die alten Kamellen von früher (in Bezug auf Vranitzky) sollten wir lieber sein lassen, konzentrieren wir uns auf das hier und jetzt, sonst hauen uns die jungen Zuschauer ab. Ja eh. Und beim Schlusswort: man soll die Bevölkerung nicht ganz außen vor lassen bei dieser Diskussion, denn die spielen in diesem System ja auch mit, die erwarten mit einer Parteimitgliedschaft und einem Parteibuch auch, dass was für sie gemacht wird. Und deshalb sind sie auch nicht besser. Stimmt auch.


Zusammenfassend: Es ist erschreckend, wie wenig (ehemals) führende Persönlichkeiten in diesem Land sich einig sind, was Politik leisten muss und wie sie das tut. Und wie man dorthin kommt, moralisch.

Dienstag, 5. Januar 2010

Neues Jahr, neues Glück!

Wie schon sehr viele meiner innig geschätzten Freunde erfahren durften, sei es hier nochmal erwähnt: 2010 wird mein Jahr! Die in den Medien beschriebenen Nuller-Jahre (0er-Jahre) sind zum Glück vorbei, alles in allem wieder ein Jahrzehnt, dass vielleicht nicht als das große in die Geschichte eingehen.

Beim Schreiben dieser Zeilen merke ich jedoch: die Einschätzung der letzten zehn Jahre könnten auch anders ausfallen. Wir hatten Terrorangriffe, Kriege, eine Währungsumstellung, eine (oder zwei oder drei) Erweiterungen der EU, Hip Hop wurde wieder zurückgedrängt (thanks god, zumindest in meinem Universum), web 2.0, zwei Wirtschaftskrisen inklusive drei Blasen; aja, fast vergessen, für Österreich die Ära Schüssel, Gusenbauer und Faymann; spricht jetzt nicht gerade für das Jahrzehnt, aber egal. Ein Afroamerikaner ist Präsident der Vereinigten Staaten, spricht für das Jahrzehnt. Dann: eine Menge Comic-Verfilmungen, wirklich viele, bin gespannt was die nächsten zehn Jahre noch kommt? Fix und Foxi, gespielt in den Hauptrollen von Matt Damon und Ben Affleck...eine EU, die immer größer und vereinter wird (kann mich auch diesmal täuschen, fällt wieder unter -> mein Universum). Und wahrscheinlich vieles mehr. Mir fällt grade auf, die EU hat ich schon, bitte diesen Fehler zu entschuldigen. Das kommt davon, wenn man in der letzten Dekade nur WG-Kollegen hatte, die Fans von sonntäglichen Kronen Zeitung Leserbriefen sind (this one goes out to you, guys).

Naja, wenn man kurz nachdenkt, gab's ja doch einiges. Ergänzungen werden angenommen. Trotz allem wird 2010 mein Jahr, und das wünsch ich natürlich auch allen anderen, die sich bis hierher durchgebissen haben. Der Blog (oder das blog?) ist wieder aktiviert, nachdem's mein Jahr wird gibt's sicher auch mehr zu berichten.

Auf bald, euer CHRIS

Dienstag, 3. März 2009

kulturtipp!

Eine kleine kulturelle Empfehlung am Rande: der tante renate kommt ins weekender, wieder einmal werden einige sagen, aber ich hatte das letzte mal viel Spass und werde mit die Show wieder antun. 9. März, Eintritt frei, mehr unter:

http://www.dertanterenate.de/

see u there!

P.S.: is ja normal nicht so meine Sache, Werbung für andere zu machen. Aber die Kleinkunst soll ja auch leben...

Dienstag, 17. Februar 2009

Die Gedanken sind frei!

Diesen Titel nehme ich zum heutigen Anlass, meine Gedanken zum Thema Österreich und die Wirren des internationalen Krisensystems zu ordnen.

Es hat mich nämlich schon verwundert, wie außerordentlich beherzt Josef Pröll, seinerseits Finanzminister der Republik Österreich, eine Osteuropatour in Windeseile auf die Füße stellt, um für Erste Bank, Hypo Alpe-Adria, Raiffeisen, Scharinger oder Konrad, um die glühenden Erdäpfel aus dem Feuer zu holen. Und dies noch vor den Antrittsbesuchen, oder hab ich die versäumt. Oder gibt es die nicht. Wie auch immer: die Frage bleibt doch, warum ist die Regierung überraschend ruhig auf der einen Seite, und auf der anderen huschen sie durch Europa wie aufgescheuchte Kaninchen und üben sich im Canossa-Gang? Meine Theorie: der Arsch pickt am Grundeis.

Da ich mit einer Snowboardverletzung gestern rekonvaleszent herumgelegen bin, hatte ich viel Zeit, über so manche sinnlose Sache nach zu denken. Ich lese grade Joschka Fischers Buch "Die rot-grünen Jahre", nicht wirklich erhellend, aber eine Sache, die er erwähnte und jetzt auch keine außerordentlich hohe Intelligenz beansprucht, war interessant: in der Politik ist vieles dem Zufall überlassen, und was vorher schicksalshaft daher gekommen ist, wird im nachhinein oft als große Strategie verkauft. Sprich: schnelles Handeln ist von großer Bedeutung. Was bedeutet dies, umgemünzt auf unsere Regierung?

Hose voll, nix schnelles Handeln, keine Ahnung.
Ungefähr so stelle ich mir zur Zeit einen Ministerrat vor. Vielleicht ist es auch gar nicht so gut, dass vieles jetzt allein in ÖVP Hand liegt, wie Finanz- und Wirtschaftsministerium, und die SPÖ mit dem Sozialministerium die Folgen ausbügeln darf. Aber ein wirkliches Problem stellt sich mir im folgenden dar: kann es sein, das nicht durch kluge Strategie, sondern durch schlichte schicksalshafte Wandlungen das "Erfolgsmodell Österreich" am Laufen gehalten wurde. Ende der 80er Jahre, es geht wieder bergab in Österreich, der Kalte Krieg endet. Neue Möglichkeiten tun sich auf, der EU-Beitritt kommt, es vollzieht sich eine Internationalisierung. Die Wirtschaft wird angekurbelt, die Ostenstaaten holen auf, wieder setzt sich Österreich drauf (natürlich zu Recht), profitiert irrsinnig davon, der EU-Beitritt unserer Nachbarn kommt, die Wirtschaft, vor allem die Banken, richten sich nach Osten aus und pflügen im frischen Ackerboden. Und jetzt: Krise. Kann es sein, dass das Schicksal es jetzt nicht gut mit uns meint. Dass nun keine Impulse mehr von außen kommen. Und was passiert, wenn dem so ist.

Drum ein Plädoyer: Vielleicht sollte unsere Politik nicht nur auf Stimulierung von außen hoffen, sondern auch im Inneren was tun, mit vollen Händen. Und diese Stichworte können nur Bildung, Qualifikation und Innovation sein. Ich rede nicht von Abschottung, sondern von der Herrstellung einer Insel der Seligen mit Gehirnschmalz und Ideen für die Zukunft, für ganz Europa und die Welt.

Freitag, 13. Februar 2009

Anderes Thema!

Ja genau: es soll auch mal eine andere Thematik in diesem Blog ihren Auftritt haben.


Gestern war ich Boarden, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, zum ersten Mal in dieser Saison. Doch ich konnte mir keinen besseren Tag für das erste Mal 2008/09 aussuchen. Viel Schnee, wirklich viel Schnee, Abfahrt bis auf die Hungerburg möglich, kalt, wenig Wind, schlechte Sicht in oberen Lagen, bessere in den Unteren, und dazwischen Pulver, der schön im Gesicht picken bleibt.

Und: ich hab wieder einmal am eigenen Leib erfahren, warum ich diese Stadt (auch) Liebe. Die Gratisfahrt mit dem öffentlichen Verkehrsmittel bis zum Lift, Luftlinie vielleicht ein oder zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, befindet man sich in einer komplett anderen Welt, mitten in einer alpinen Traumwelt. Wunderbar. Dann wieder zurück, und in welcher Stadt wird man nicht komisch angeschaut, wenn du dein Snowboard in voller Montur Gassi trägst? In Innsbruck.
Das hat Flair.

Manchmal find ich es wirklich gut hier.

Donnerstag, 29. Januar 2009

Journalismus in Innsbruck

leseremail an herrn überbacher von der tiroler woche, sein kommentar in der aktuellen ausgabe ist bei mir erhältlich, dank an maximo fleeder!

sehr geehrter herr dr. überbacher!

sehr schön, der aktuelle kommentar in der neuen ausgabe der tiroler woche. ich finde es aber schon ungeheuerlich, eine partei, die sich am demokratischen willensbildungsprozess beteiligt, in einen atemzug mit strafrechtlich relevanten handlungen zu setzen. zwar sind die inhalte durch ein satzzeichen getrennt, jedoch ist ihre intension eine ganz durchsichtige und einfache: es soll der schale beigeschmack von illegalität, gesellschaftlicher zersetzung und abstossenden gefühlen hängen bleiben. das haben sie erreicht. aber wirklich schlimm ist die instrumentalisierung einer vergewaltigung, um - weich formuliert - politisch nicht-gleichgesinnten einen schwarzen peter unterzuschieben, der aber schon ganz und gar nichts dort zu suchen hat. ja, die politik hat versagt, auf ganzer linie. und, um es präziser zu formulieren, die regierungen in stadt, land und bund haben versagt. und das nette detail am rande: in all diesen regierung, sei es in der stadt innsbruck, im land tirol oder in unserer bundeshauptstadt wien waren die grünen nie in der regierung vertreten. ÖVP, SPÖ und FPÖ (mit orangen BZÖ-sprenkeln) hatten in der vergangenheit bis zum heutigen tage das heft in der hand. sie haben wenig bis nichts getan, und was sie getan haben, kann nun zu recht als nicht zielführend bezeichnet werden. die grünen waren und sind nicht in regierungsverantwortung, sie haben versucht, durch vorschläge und mitarbeit etwas zur verbesserung der situation beizutragen. die verantwortung ist jedoch bei jenen zu suchen, die diese stadt lenken, allen voran hilde zach. sie als bürgermeisterin hat ihren job nicht gemacht, und sei es nur, um menschen zu holen, die eine lösungskompetenz in dieser problemlage besitzen.

nicht zuletzt möchte ich mich noch mit ein paar grausligkeiten in ihrem kommentar auseinandersetzten: bitte lassen sie die anschlagsopfer, und vielmehr noch die angehörigen derselben, von new york, madrid und london außen vor, wenn sie über andreas hofer und seiner rolle im freiheitskampf sprechen. die meisten menschen aus london, madrid, und new york haben keinen blassen schimmer, wer andreas hofer ist und wie sie dieser held durch eine globaler werdende, vernetzte und (leider zur zeit) krisengeschüttelte welt bringt. der bauarbeiter aus madrid, der gerade seinen job verloren hat, hat nix vom herrn hofer, außer dass er am museumsbau am bergisl anheuern könnte, fern von seiner heimat. aber das hätte dem herrn hofer auch nicht getaugt. und des weiteren: es ist eine bewiesene tatsache, dass die innsbrucker (bürgerliche) stadtbevölkerung weniger glücklich war mit dem aufmarschieren der brigaden des herrn hofers, der ein äußerst gläubiger mensch war, und weiters ein großes problem mit der aufklärung hatte, die noch heute unser aller weltbild in europa beeinflußt, ja, die eine der tragenden säulen unseres systems, der demokratie und des rechtsstaates wurde.

zu aller letzt: ich möchte ihnen, der sie ja parteischreiber der mächtigen dieses landes sind, noch eines ins stammbuch schreiben. unterlassen sie diese unappetitlichen aussagen und diffamierungen, guter journalismus zeichnet sich durch andere parameter aus.
und ich wünsche dem opfer der vergewaltigungen und misshandlungen das beste, dass sie bald wieder zu kräften kommt und diese unheilvollen, verabscheuungswürdigen taten verarbeiten und überwinden kann. die täter müssen ihrer gerechten strafe zugeführt werden und dafür büßen, im rahmen des rechtsstaates und der justiz.

mit freundlichen grüßen

christian huemer